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Donnerstag, 26 November 2020

Autoren Meinung – Menschenketten gegen das Kapital

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Carsten Bornhöfthttps://www.carsten-bornhoeft.de
Unser Autor Carsten Bornhöft ist in Wahlstedt geboren und lebt seit seiner Kindheit in Lübeck-Travemünde. Er ist Wirtschaftsinformatiker und kam über die EDV Leitung eines Verlages zum Journalismus.

Mit einer weiteren Bebauung des Priwall kann niemand zufrieden sein.

Kein Meerblick – In den engen Schluchten kommt Urlaubsgefühl wenig auf, so einige Besucher der Beach Bay. © Foto: Carsten Bornhöft – Stadtgeschehen NET

Autorenmeinung – Weder Bürger noch Tourist profitiert, von dem was sich dort in Lübeck-Travemünde auf dem Priwall in der weiteren Planung befindet. Die Entwicklung des Priwall hat den Pfad des Verträglichen längst verlassen. Unter dem ehemaligen Bürgermeister Bernd Saxe wurde das Grundstück zu Dumping Preisen an einen Investor übergeben, der nun jeden Meter in pures Geld verwandeln möchte. Bürger und Touristen möchten etwas “Freiheit” für sich behalten, insbesondere verbindet der Markenname “Schleswig-HolsteinDas Land der Horizonte” etwas von Fernweh und Meer und Freiheit. Dieser wird durch die enge Bebauung erheblich infrage gestellt, auch wenn die Bürgerschaft unter Führung der CDU sich seinerzeit für den Verkauf ausgesprochen hat. Meerblick gibt es nur noch für wenige Privilegierte die für teures Geld die erste Reihe gebucht haben, alle anderen befinden sich in den Schluchten, aus der sie jedoch im Urlaub entfliehen wollen. Auch sagten einige Urlauber aus das die doch sehr dicht an dicht gebauten Häuser für sie nicht den Namen Dünenvillen verdient haben, denn Dünen waren nicht sichtbar. Die Privatsphäre ist doch sehr eingeschränkt, so ein paar Stimmen von Touristen.

Von Natur ist nicht mehr viel zu sehen

Containerhafen – So stellt es sich gegenwärtig dar. Die Bebauung des Priwall ist zu massiv. © Foto : Carsten Bornhöft – Stadtgeschehen Net

Die Ansicht von der anderen Seite sollte bei denen Akteuren langsam Einsicht erzeugen. Was früher offen gestaltet gewesen ist und viele Elemente aus der Natur beinhaltete, sieht heute aus wie das Containerterminal im Hamburger Hafen. Die Architektur entspricht zwar der Zeit, wirkt aber für den doch recht kleinen Priwall deutlich überzogen. Etwas weniger wäre deutlich mehr gewesen, selbst wenn die Baustellen einst fertiggestellt sein werden, fehlen die grünen Elemente und hätten so vom Gestaltungsbeirat und den Verantwortlichen in der Baubehörde niemals zugelassen werden dürfen. Das Maß des Erlaubten wurde auf dem Priwall deutlich überschritten.

Hotel als Alibi für Wohnungen

Ein Hotel soll nach Aussage des Investors essenziell notwendig sein damit das touristische Konzept aufgehen wird. Liest man die vielen Artikel auch mal zwischen den Zeilen wird, als Anhang immer benannt das dort weitere 56 Eigentumswohnungen entstehen sollen! In 7 Villen hinunter bis zum Fährvorplatz soll dort die Fortsetzung des gesamten Bauvorhabens vollzogen werden. Villen sind ein Marketingbegriff für einen Betonwürfel, allerdings sind die Architekten von heute auch eher Hipster als vernünftige Auseinandersetzer (auf den alten Fotos sieht man den Priwall noch vor der Bebauung) mit den Zeiten. Niemand verlangt Renaissance, Barock/Rokoko oder Klassizismus, wir leben in der Moderne. Die Villen, die dort errichtet werden sollen, sind jedoch weder Neoklassizismus, Postmoderne noch Dekonstruktivismus. Sie sind eben stillos und die Begrifflichkeiten des Marketings, meistens irgendwie anglistisch angehaucht, sind längst doch entlarvt. Die 56 Wohnungen werden die Kapitalisierung fördern, das Hotel an sich wird keine positiven Zahlen verursachen und kann eher als Kostenfaktor benannt werden, der vermutlich irgendwann auch steuerlich als Verlust geltend gemacht werden wird.

Bettenzahlen

Seitens der Stadtverwaltung und der Kurverwaltung wird in Lübeck oft argumentiert das Bettenzahlen mehr Umlage bringen, sie bringt aber auch mehr Kosten und in der Endsumme schreibt der Tourismus in Travemünde mehr Verluste als Gewinne. Insgesamt ist die Entwicklung auf Erhöhung der Bettenzahlen angepasst, ein Umstand der so manchem Touristiker an der Ostseeküste ein leichtes Grinsen ins Gesicht schreibt. Während andere Tourismusorte an der Küste bereits erkannt haben das der Bauboom nicht nur positive Auswirkungen hat und teilweise auch schon erkannt worden ist das mit den Hotelriesen der soziale Frieden in den Orten nachhaltig gestört wurde, weil kleinere Betriebe einfach die Segel gestrichen haben, hat man in Lübeck-Travemünde nur dieses eine Argument. Das nach der Erhöhung der Bettenzahlen auch ein Angebot erstellt werden muss wird vergessen und wenn man den Regeln folgt, würde das Seebad Travemünde ein solches Angebot gar nicht stemmen können. Wer will schon Urlaub in einem Ort, wo an 354 Tagen im Jahr Langeweile herrscht? Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen dieses Ballermann-Argument und das zurecht. Das Fazit ist doch, das ein Tourismus, der den Ort nachhaltig kaputt macht, den Bürgern nicht zugemutet werden kann und sich der Tourist dann hier, aufgrund von Überfüllung, auch nicht mehr wohlfühlen wird. Anderseits ist auch “Tote Hose” nicht unbedingt ein Argument, eine Lösung dazwischen wäre wünschenswert und somit wäre eine weitere Erhöhung von Wohnungen und Betten deswegen schon unlogisch.

Argumente die sich in Luft auflösen

Eine weitere Bebauung des Priwall würde auch den Tourismusdirektor Christian Martin Lukas in argumentativ in Erklärungsnot bringen. Immer wieder wird von einem Rundlauf gesprochen der eine touristische Attraktion in Travemünde darstellen soll und der mittlerweile zur touristischen Hauptattraktion stilisiert wird. Findet an der Stelle nun eine Bebauung statt, ist es mit diesem Rundlauf vorbei, denn es ist nicht vorstellbar, dass die vorbeilaufenden Menschen an dieser Stelle erwünscht sein werden, handelt es sich bei der Beach Bay und dem Waterfront Projekt insbesondere in diesem Teil überwiegend um Eigentumswohnungen welche eher weniger einer touristischen Nutzung zugeführt werden sollen. Der Rundlauf soll die beiden Traveufer miteinander zu einer größeren Flaniermeile verbinden. Die Flaniermeile wird mit den beiden Trave-Fähren miteinander verbunden werden.

In diesem Fall würde auch der neue Bürgermeister Jan Lindenau bei den Bürgern das Vorschuss-Vertrauen verspielen. Die Balance zwischen touristischer Nutzung und der Lebensqualität der Anwohner ginge hier zulasten der Bürger. Es ist zu erwarten, dass an dieser Stelle, die entstehenden Eigentumswohnungen, jegliche touristische Entwicklung verhindern würden. Somit entstünde, dann eine Erklärungsnot denn die angeführten Argumente lagen bisher immer auf einer touristischen Nutzung. Diese Wohnungen jedoch sollen nicht der 8 Wochen Regel unterliegen, das heißt es ist eine dauerhafte Nutzung möglich. Dadurch steht zu befürchten, dass sich die Gentrifizierung weiter fortsetzt. Travemünde hat diesbezüglich schon größere Probleme, so sehen das auch die Mitstreiter der Bürgerinitiative. Im Winter “dunkel” und im Sommer überlastet, so wird das Ergebnis zum Manifest, welches nur schwer wieder in eine soziale und für das Seebad verträgliche Richtung gelenkt werden kann.

Die Zeit etwas zurückdrehen

Eine Chance darauf besteht noch, Verträge müssen nicht zwingend durchgewunken werden, nur vor der Argumentation, das die Stadt Lübeck nun gegebenenfalls einen Schadensersatz leisten muss. Die Bürger würden sogar dafür plädieren, dass die Stadt hier ein Zeichen setzt. Ein soziales, aber auch ein Zeichen, dass sie verstanden haben. Vor dem Hintergrund das in Lübeck-Travemünde noch lange nicht mit der Bebauung aufgehört wird, es entstehen noch der Fischereihafen, der Baggersand und weitere kleinteilige Bebauung in großer Zahl mit sehr vielen Ferien und Eigentumswohnungen, sollte die Stadtverwaltung ein Zeichen setzen und einem Bebauungsplan an der Stelle nicht zustimmen oder diesen zumindest ein paar Jahre zurückstellen damit die weitere Entwicklung analysiert werden kann.

Auch die Politik muss Gesicht zeigen

Damit eine weitere Bebauung durchgeführt werden kann, muss erst das Baurecht hergestellt werden. Das geht nur in der Bürgerschaft, hier wird sich zeigen, wer sich für eine weitere Bebauung entscheidet. Man kann annehmen das die CDU sich positiv entscheiden wird. Es muss jedoch auch angemerkt werden das der CDU Ortsverband Travemünde ebenfalls gegen die Bebauung ausgesprochen hat, inwieweit sich hier eine Schwere zwischen der Lübecker CDU und dem Ortsverband auftut wird sich zeigen. Die SPD ist Teil der GROKO in Lübeck und wird hier bei einer positiven Entscheidung einen weiteren Gesichtsverlust und Mangel an Bürgervertrauen hinnehmen müssen. Die Rolle der GRÜNEN ist noch unbekannt, die GAL und die Unabhängigen haben sich bereits gegen die Bebauung ausgesprochen. Keine Meinung haben die LINKE Lübeck und die AfD. Eine entsprechende Anfrage wurde nicht beantwortet. Das Thema liegt den Politikern ohnehin schwer im Magen, denn eine Entscheidung würde die Richtung der Parteien unterstreichen und dem Wähler offenbaren, wer welche Richtung eingeschlagen hat.

Es gibt jedoch auch eine elegante Variante: Die Bürgerschaft stellt die Landschaft dort unter Schutz und würde ohne besondere Konsequenzen, den Kaufvertrag einhalten, aber eine Bebauung jedoch nicht zulassen.

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1 KOMMENTAR

  1. Ex-Bürgermeister und Ex-Bausenator haben mit der Bürgerschaft, den gewählten Volksvertretern, eine verhängnisvolle, dumme Entscheidung getroffen. Das erschütternde Ergebnis kann jeder jederzeit besichtigen. Das dies jetzt noch getoppt werden soll ist nicht nur nicht zu verstehen, sondern schon fast boshaft dem Bürger gegenüber. Unanständig. Dass Herr Hollesen gewinnorientiert plant ist kaufmännisch verständlich und nicht unehrenhaft. Sehr clever auch, wie er sich Travemündes Wahrzeichen, die Passat, einverleibt hat. Aber dass die Verantwortlichen in Lübeck ihm wie kleine Hundchen hinterherlaufen ist völlig unverständlich.
    Heiner Timme

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