Lübeck braucht eine Quote für Ferienwohnungen

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Am Thema Ferienwohnungen scheiden sich die Geister. Sie erleben einen Boom. Aber in vielen Städten regt sich Protest, auch in Lübeck. Die neue Kolumne Fürters Hintergrund untersucht Gründe und fordert eine Quote.

Ferienwohnungen spalten. Als Urlauber nutzen wir gerne diese Alternative zum Hotel, zumal sie oft günstiger ist. Auch Grundeigentümer können natürlich kein Problem erkennen, wenn sie ihre Immobilie als Ferienwohnung anbieten. Dann gibt es auch noch die Mieter, die ihren eigenen Urlaub teilweise damit finanzieren, dass sie ihre eigenen vier Wände über airbnb oder andere Portale für die Reisedauer untervermieten. Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille: Ich wohne selbst als Mieter in einem Haus, in dem ein Teil der Wohnungen an Feriengäste vermietet wird. An dieser Stelle nur soviel: Das merkt man einem Wohngebäude natürlich an. Ich kann mir nur vorstellen, um wieviel stärker diese Wirkung in den kleinen Gängen und Höfen meiner Stadt ausfällt. Außerdem wird jede Wohnung, die dauerhaft als Ferienwohnung genutzt wird, natürlich dem Mietmarkt entzogen.

Warum flammt die diskussion gerade derart auf?

Warum flammt die Diskussion um Ferienwohnungen gerade derart auf, nicht nur in Lübeck sondern europaweit? Erstens gibt es einen allgemeinen Trend in den Städten, die zunehmenden Touristenmassen kritisch zu beäugen. Lübeck ist nicht Berlin und auch nicht Florenz. Aber immer mehr Menschen können es sich leisten, zu verreisen und tun das auch. Einige von ihnen kommen nach Lübeck. Das nutzt der Stadt wirtschaftlich, aber steigende Touristenzahlen gefallen nicht allen Einheimischen. Zweitens wird die Vermietung von Ferienwohnungen für Eigentümer wirtschaftlich attraktiver. Aussagekräftige Statistiken zur Entwicklung der Ferienwohnungen gibt es in Lübeck nicht, aber wer durch die Innenstadt läuft merkt: Die Zahl steigt. Das hat natürlich auch etwas mit dem regulierten Mietmarkt zu tun. Da der Wohnungsmarkt kein Markt wie jeder andere ist, ist er in Deutschland seit langem schon stark reglementiert. Mieterhöhungen unterliegen gewissen Grenzen. Kündigungen des Vermieters sind bei normalen Wohnräumen nur im Ausnahmefall möglich. Ich will das soziale Mietrecht nicht in Frage stellen, aber es erhöht natürlich den wirtschaftlichen Anreiz für Eigentümer, ihre Immobilien anders zu nutzen. Ein dritter Grund für die Zunahme von Ferienwohnungen hängt mit dem Internet zusammen. Wohnungseigentümer können für die Vermittlung auf Plattformen wie airbnb zugreifen. Bürokratie und staatliche Kontrolle sind da weitgehend Fremdwörter. Zudem genießt airbnb, anders als zum Beispiel Amazon und Facebook, meistens die ungeteilte Sympathie des urbanen Publikums.

Das Gefüge auf der Altstadtinsel ist durch eine zu starke Ausrichtung auf den Tourismus gefährdet

Was also tun? Ein Verbot von Ferienwohnungen in der Innenstadt ist eigentlich kaum zu rechtfertigen. Die Wohnungsknappheit in Lübeck ist durch jahrelange falsche Politik in der Hansestadt verursacht. Diese jetzt auf die Existenz von Ferienwohnungen zu schieben, ist deshalb etwas verlogen. Mit der Argumentation des Entzugs von Flächen vom Mietmarkt könnte auch der Abschied von Anwaltskanzleien, Arztpraxen, Architekturbüros und Künstlerateliers aus der Innenstadt verlangt werden. Das möchte niemand, der für eine lebendige Stadtentwicklung ist. Wenn der Platz auf der Altstadtinsel knapp ist, was ja stimmt, warum wurden dann in den letzten Jahren wiederholt große Hotels hier angesiedelt, statt Wohnhäuser an die Stelle zu setzen? Außerdem ist die Altstadtinsel nun einmal der Ort, wo viele Funktionen der Stadt gleichzeitig erfüllt werden, historisch bedingt auf engstem Raum. Das Angebot von Unterkünften für Gäste ist eine dieser Funktionen. Die muss nicht ausschließlich in Hotels stattfinden. Lübeck hat auch nicht die Aufgabe, die bestehenden Hotelbetriebe vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen.

Auf der anderen Seite ist der wirtschaftliche Druck zur Umwandlung von Wohnungen in Ferienwohnungen ungebrochen. Das Gefüge auf der Altstadtinsel, zu dem auch das Wohnen im Weltkulturerbe zählt, ist durch eine zu starke Ausrichtung auf den Tourismus gefährdet. Die Attraktivität der Altstadtinsel insgesamt würde erheblich leiden, wenn der Wohnanteil weiter sinkt.

Das Problem kann aus meiner Sicht durch eine Quote gelöst werden. Nur eine Quote kann garantieren, dass es einerseits ein Angebot von Ferienwohnungen im Zentrum der Stadt gibt, aber andererseits kein Wildwuchs um sich greift. Dies setzt aber voraus, dass die Stadtverwaltung erstmal einen richtigen Überblick bekommt, wie viele Ferienwohnungen es überhaupt gibt, vor allem im Graubereich ohne baurechtliche Genehmigung. Da gibt es noch viel zu tun.

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