7 Moislinge – 93 Wohnungen

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Eine beispielgebende Kooperation ermöglicht 93 neue bezahlbare Wohnungen in Lübeck. Die Wohnungen in Moisling werden in diesen Wochen fertiggestellt und bezogen. Trotz des Neubaus bleiben jedoch viele Fragen offen.

Lübeck – 93 Wohnungen und “ sozialer Wohnungsbau „, so weit so gut. Die Grundstücks-Gesellschaft TRAVE mbH, die Hansestadt Lübeck und die Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) hatten am 15. November 2016 einen Kooperationsvertrag geschlossen, um 291 umfassend modernisierte Wohnungen in den Stadtteilen Moisling und Kücknitz langfristig bezahlbar zu halten und in den Wohnquartieren vielfältige und stabile Nachbarschaften zu gestalten. 

Das Neubauvorhaben im Schneewittchenweg ist die vierte konkrete Bestandserneuerungsmaßnahme der Trave in Moisling. Bis Ende letzten Jahres standen hier vier Gebäude mit 108 Wohnungen, die 1962 bzw. 1968 bezogen worden waren.

Wohnraum wird verkürzt

In Sachen Mathematik haben die 3 Partner etwas Nachholbedarf. Wo vorher 108 Wohnungen verfügbar waren sind nun 93 geblieben. Damit fallen schon mal 15 Wohnungen weg. Anstelle neue Ideen zu entwickeln wie die Wohnungsproblematik in der Hansestadt Lübeck gelöst werden kann, wird hier mit Hilfe des „sozialen Wohnungsbaus“ der Bestand modernisiert, zu Lasten derjenigen die dringend eine Wohnung benötigen.

Pech hat auch wer unter 60 Jahren alt ist. Insgesamt 57 Wohnungen sind an das Lebensalter gebunden. Die seniorengerechten, barrierefreien 2-Zimmer-Wohnungen, mit Wohnflächen zwischen 47 und 60 Quadratmetern sind bequem mit dem Aufzug erreichbar. 

Trave im Glück

Die Wohnungen wurden durch Wohnraumfördermittel des Landes Schleswig-Holstein über die IB.SH in Form von zinsgünstigen Darlehen finanziert. Das für die Wohnungsbauförderung zuständige Ministerium für Inneres, Ländliche Räume und Integration ermöglichte der Trave und der Hansestadt Lübeck eine Förderquote von 100 Prozent, das heißt alle neuen Wohnungen sind zunächst mietpreis- und belegungsgebunden und kosten 5,65 Euro Kaltmiete je Quadratmeter und Monat. Auf der Basis des Kooperationsvertrages nach dem Schleswig-Holsteinischen Wohnraumförderungsgesetz können die Wohnungen für zunächst drei Jahre aber flexibel vergeben werden. Dabei darf die Trave in einem definierten Rahmen von den sonst üblichen Einkommens- und Wohnflächenbeschränkungen abweichen.

Flexibel vergeben werden heißt es im Text. Das bedeutet das man an die Preisbindung gar nicht gebunden ist, man muss nur bis 2021 genügenden Ersatzwohnungen beschaffen. Der desolate Zustand der Lübecker Wohnraumwirtschaft macht dies überhaut erst möglich, denn um Mieter braucht sich die Trave angesichts der Situation zunächst keine Sorgen machen.

Erst nach 3 Jahren müssen die Vertragsteilnehmer Bilanz ziehen und auch erst dann wird über den Ausgleich gesprochen. Die Menschen, die vorher im Schneewittchenweg gewohnt haben, sind weg und haben keine Chance auf Wiederkehr. Dieses System will man auch in anderen Stadtteilen anwenden, allerdings müssen sich die Vertragsteilnehmer dann auch darauf einstellen das man dieses, als „sozialen Wohnungsbau“ bezeichneten Systems, nicht als das anerkennen wird, was es sein sollte.

Weiterhin wird die Politik gefragt sein, Probleme zu lösen und in Lübeck endlich das zu realisieren, was die Menschen benötigen. Eine Veränderung kann schon bei der nächsten Kommunalwahl herbeigeführt werden. Ob die Vorhaben, die geplant sind, dann so umgesetzt werden können, ist fraglich denn „sozial“ geht anders. 

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